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Der Verlag Wegwarte

Fernand Rausser hat sich mit 77 Jahren einen alten Traum erfüllt. Er gründete seinen eigenen Verlag. Jetzt kann Fernand Rausser frei arbeiten. Im Wegwarte Verlag erscheinen Bücher, die seine Bescheidenheit spiegeln. Äusserlich unauffällig, bei näherem Hinsehen aber Staunen erwecken. So wie die Blume Wegwarte, die dem Verlag den Namen gibt. Mit Regeln, Vorschriften und der Bevormundung durch „Analphabeten der Bildsprache“ habe er immer Probleme gehabt. Jetzt hat Fernand Rausser die völlige Freiheit gefunden. Im Verlag „Wegwarte“ erscheinen Bücher, die Raussers Bescheidenheit spiegeln. Werke, die äusserlich unauffällig wirken, bei näherem Hinsehen Staunen erwecken. So, wie die Blume Wegwarte, die seinem Verlag den Namen gab.
 
Die Wegwarte ist eine bezaubernde Blume, vielleicht die Schönste überhaupt. Und doch ist sie in der Schweiz fast ausgestorben (sie füllt keine Kassen). Aber sie bringt jedem, der nicht zu bequem ist sich zu bücken um sie aus der Nähe zu betrachten, der sich quasi vor ihr verneigt, einige Augenblicke Wohlsein, ein paar Tropfen Glück. Kein normaler Mensch widersteht ihrem Charme. Auch bleibt sie bescheiden, trotz ihrer Schönheit. Sie heisst nicht umsonst Wegwarte. Sie vegetiert zufrieden zwischen Asphalt und Humus im staubigen Niemandsland und beschämt mit ihrem blauen Gold den vollgefressenen Klee, den überzüchteten Mais, das wässerige Gras. Und wir vermuten, dass – wenn mal beim Mähen einige Wegwarten unter das Futtergras fallen – die Kuh, die diese Zweige erwischt, beim Kauen genüsslich die Augen schliesst. Die Wegwarte ist nicht nur sparsam und bescheiden, sie ist trotz dem kargen Boden, auf dem die lebt, oder vielleicht gerade deshalb, sehr produktiv. Dieses Naturell der Wegwarte drängt sich auf als Vorbild. So gut wie sie ausschaut, so gut möchten wir unsere Bücher machen.

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